Creme als Technologie
Eine kosmetische Creme ist ein technisch konstruiertes Material: Zwei Flüssigkeiten, die sich nicht mischen wollen, werden in eine stabile, streichfähige Struktur gebracht, die jahrelang im Regal haltbar sein muss.
Die Grundidee ist alt. Die erste Cold Cream wird meist dem römischen Arzt Galen um 150 n. Chr. zugeschrieben: Er arbeitete Wasser in geschmolzenes Bienenwachs und Olivenöl ein. Varianten des Rezepts standen noch 1618 in der Londoner Pharmakopöe (Cosmetics and Skin). Nivea brachte die Creme Anfang des 20. Jahrhunderts in die industrielle Produktion.
Was eine Creme eigentlich ist
Technisch gesehen ist eine Creme eine Emulsion: winzige Tröpfchen einer Flüssigkeit, verteilt in einer anderen Flüssigkeit, in der sie sich nicht lösen, und dort von einem Emulgator gehalten. Emulgatoren sind Moleküle, welche die Spannung zwischen den beiden Phasen herabsetzen (Übersichtsarbeit zu pflanzlichen Nanoemulsionen, PMC).
Eine Creme ist ein System, das in der Kosmetik und in der topischen Medizin häufig für den Transport von Wirkstoffen eingesetzt wird. In beiden Bereichen wird die Cremegrundlage als «Vehikel» bezeichnet. Eine dermatologische Übersichtsarbeit von 2024 hält fest:
«Der grundlegende Zweck eines dermatologischen Vehikels besteht darin, als Träger für Arzneiwirkstoffe zu dienen.» — Ahuja, An & Lio, Skin Pharmacology and Physiology, 2024.
Dieselbe Emulsionstechnologie wird deshalb für eine Tagescreme, einen Sonnenschutz und eine verschreibungspflichtige Creme aus der Apotheke verwendet. Unterschiedlich sind der Wirkstoff und die Vorschriften, die dafür gelten (siehe «Sicherheit, Konservierung und Regulierung» weiter unten).
Es gibt zwei Grundtypen:
- Öl-in-Wasser (O/W) — Öltröpfchen in einer durchgehenden Wasserphase. So sind die meisten Seren, Tagescremes und Lotionen aufgebaut — alle Texturen, die sich «leichter» anfühlen.
- Wasser-in-Öl (W/O) — Wassertröpfchen in einer durchgehenden Ölphase. W/O-Systeme fühlen sich «reichhaltiger» und «schützender» an. Sie werden für Nachtcremes, Masken und Salben verwendet.
Welche Phase am Ende die durchgehende Phase bildet, hängt nicht einfach davon ab, welcher Bestandteil in grösserer Menge vorhanden ist. Ein Branchenleitfaden betont, dass vor allem das Emulgatorsystem und nicht das Verhältnis von Öl zu Wasser über den Emulsionstyp entscheidet (Cosmetics & Toiletries).
Serum, Lotion, Creme und Salbe unterscheiden sich vor allem in Viskosität und Wassergehalt: Seren und Lotionen sind dünnflüssige Emulsionen, Cremes sind halbfeste Emulsionen, und Salben sind weitgehend wasserfreie Fettgrundlagen wie Vaseline.
Die Bausteine
Eine typische Creme enthält 15–30 Inhaltsstoffe, die sich jedoch wenigen Funktionsgruppen zuordnen lassen. Eine Standard-O/W-Testemulsion aus einer Hautstudie zeigt die Anteile: 20 % Öl, 3 % Wachs, 8 % Feuchthaltemittel und 1,5 % Tenside, der Rest ist Wasser (Analysis of electrical property changes of skin, PMC).
Diese Inhaltsstoffe lassen sich in zwei Gruppen teilen. Einige wenige sind Wirkstoffe, die für die auf dem Etikett versprochene Wirkung sorgen. Alle übrigen sind Hilfsstoffe — Wasser, Öle, Wachse, Emulgatoren, Verdickungsmittel, Konservierungsmittel und pH-Regulatoren — und bilden zusammen die Grundlage der Creme. Die meisten Hilfsstoffe haben keine eigene kosmetische «Wirkung», mit der man werben könnte: Ihre Aufgabe ist es, die Öl-Wasser-Emulsion aufzubauen, sie über die gesamte Haltbarkeitsdauer stabil zu halten und mikrobiologisch sicher zu machen. Die Übersichtsarbeit von 2024 zu Vehikeln beschreibt den Kern jeder Emulsion als «die Ölphase, die wässrige Phase und den Emulgator» und hält fest, dass erst die Wasserphase Konservierungsmittel notwendig macht (Ahuja et al., 2024).
Wirkstoffe machen meist nur einen kleinen Teil der Rezeptur aus. Einen offiziellen «Durchschnittswert» gibt es nicht, doch typische Einsatzkonzentrationen zeigen die Grössenordnung. Die EU begrenzt Retinol auf 0,3 % in Gesichts- und Handprodukten und auf 0,05 % in Körperlotionen sowie Alpha-Arbutin auf 2 % in Gesichtscremes (Verordnung (EU) 2024/996 der Kommission). Die klassische klinische Studie zu Niacinamid verwendete eine Creme mit 5 % (Bissett et al., 2005), und Feuchtigkeitscremes mit Urea enthalten davon in der Regel weniger als 10 % (Rajkumar et al., 2023). Insgesamt machen Wirkstoffe in den meisten Cremes etwa 0,1–10 % des Gewichts aus, während die Grundlage aus Hilfsstoffen die übrigen 90 % oder mehr bildet.

Quellen für die Tabelle: DermNet, JCAD — Update on Moisturizers, Rajkumar et al. 2023.
Eine Übersichtsarbeit zur Technologie von Feuchtigkeitscremes fasst es so zusammen:
«Feuchthaltemittel fördern die Wasserspeicherung im SC (Stratum corneum), während Okklusiva den Wasserverlust im Allgemeinen verringern.» — Moisturizer technology versus clinical performance, PubMed.
Das Zusammenspiel ist wichtig: Eine Übersichtsarbeit von 2022 weist darauf hin, dass Feuchthaltemittel ohne Okklusivum bei trockener Luft den Wasserverlust geschädigter Haut sogar erhöhen können (Cosmetics, MDPI).
Die technische Herausforderung: Stabilität
Eine Emulsion ist nie wirklich in Ruhe. Sich selbst überlassen, wollen sich Öl und Wasser trennen: Tröpfchen steigen auf oder sinken ab (Aufrahmung), verschmelzen miteinander (Koaleszenz) und trennen sich schliesslich in zwei Schichten. Eine Creme muss dem während ihrer gesamten Haltbarkeitsdauer standhalten.
Moderne O/W-Cremes lösen dieses Problem vor allem mit einem lamellaren Gelnetzwerk. Fettalkohole wie Cetyl- und Stearylalkohol bilden zusammen mit einem Tensid übereinandergestapelte Doppelschichten, die Wasser zwischen sich einschliessen. Dieses Netzwerk hält die Wasserphase und die Öltröpfchen physikalisch zusammen und verleiht der Creme ihre Konsistenz (Lamellar Gel Network, ResearchGate).
Wo die Creme auf die Haut trifft
Das eigentliche Ziel der Creme ist das Stratum corneum, die äusserste Hautschicht. Sie wird oft mit «Ziegeln und Mörtel» verglichen: abgeflachte, abgestorbene Zellen (Korneozyten), eingebettet in eine Lipidmatrix aus Ceramiden, Fettsäuren und Cholesterin.
Wie tief dringt eine Creme ein?
Nicht sehr tief — und das ist so gewollt. Die Dermatologen Jan Bos und Marcus Meinardi legten in Experimental Dermatology dar, dass das Molekulargewicht eines Stoffes
«unter 500 Dalton liegen muss, damit er von der Haut aufgenommen werden kann.» — Bos & Meinardi, 2000.
Deshalb warnt DermNet, dass grosse Moleküle wie Kollagen und Peptide das Stratum corneum nicht durchdringen können — egal, was das Etikett verspricht (DermNet). Zum Vergleich: Kollagen hat ein Molekulargewicht von etwa 300 000 Da, hydrolysiertes Kollagen 3000–6000 Da, in Kosmetika verwendete Hyaluronsäure 5000 bis 1 800 000 Da und ein typisches kosmetisches Peptid wie Argireline 889 Da — alle deutlich über der Grenze von 500 Dalton (León-López et al., 2019; CIR, 2022; Acetyl hexapeptide-8, Wikipedia).
Sicherheit, Konservierung und Regulierung
Wasser, Nährstoffe und Wärme ergeben ein ideales Nährmedium für Keime. Deshalb braucht jede Creme mit Wasserphase ein Konservierungssystem. Wer die Rezeptur entwickelt, muss das Produkt vor Verunreinigung schützen — in der Fabrik ebenso wie vor Fingern, die monatelang in den Tiegel getaucht werden. W/O-Emulsionen sind von Natur aus weniger anfällig für bakterielle Verunreinigung, weil das Wasser im Öl eingeschlossen ist (Cosmetics & Toiletries). Auch Konservierungsmittel sind ein Kompromiss: Die Übersichtsarbeit von 2023 zur Hautbarriere verweist auf Hinweise, dass einige Parabene das mikrobielle Gleichgewicht der Haut stören können (Rajkumar et al., 2023).
In der Europäischen Union werden Cremes als Kosmetika reguliert, nicht als Arzneimittel. Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 legt die Grundregel fest:
«Ein auf dem Markt bereitgestelltes kosmetisches Mittel muss … für die menschliche Gesundheit sicher sein» — Verordnung 1223/2009, Europäische Kommission.
… und zwar bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung. Vor der Markteinführung braucht jedes Produkt:
- eine benannte verantwortliche Person mit Sitz in der EU, die für die Einhaltung der Vorschriften einsteht;
- eine Sicherheitsbewertung durch eine qualifizierte Fachperson, dokumentiert in einem Sicherheitsbericht für das kosmetische Mittel;
- eine Produktinformationsdatei, die für die Behörden bereitgehalten wird;
- eine Notifizierung über das EU-Notifizierungsportal für kosmetische Mittel (CPNP).
Die Verordnung gilt seit dem 11. Juli 2013 vollumfänglich (Food Research Lab; Leitfaden der britischen Regierung). Die Grenze zwischen Kosmetikum und Arzneimittel wird durch den Verwendungszweck bestimmt: Eine Creme, die verspricht, eine Krankheit zu behandeln, oder die einen arzneilich wirksamen Stoff in therapeutischer Dosierung enthält, gilt als Arzneimittel und braucht eine eigene Zulassung.
Fazit
Ein Cremetiegel ist eine kleine Meisterleistung der Materialtechnik. Er enthält eine metastabile Emulsion, die von einem unsichtbaren Gelnetzwerk zusammengehalten wird — hergestellt in einem kontrollierten Erwärmungs- und Abkühlungsprozess, vor Mikroben geschützt und gesetzlich auf Sicherheit reguliert. Eine Creme ist ein Vehikel, das in der Kosmetik und in der topischen Medizin häufig für den Transport von Wirkstoffen eingesetzt wird. Auf der Haut ist ihre Aufgabe bescheiden, aber real: Wasser halten, die Oberfläche glätten und eine Barriere unterstützen, die den grössten Teil des Schutzes selbst übernimmt. Eine Creme beurteilt man am besten nicht nach dem Versprechen auf dem Etikett, sondern danach, wie gut sie diese Aufgabe erfüllt.
Filabé — die moderne, fortschrittliche Alternative
Filabé wurde entwickelt, um die Schwächen herkömmlicher Vehikelsysteme zu beheben: weg von alter Technologie, hin zu einer neuen Stufe der Wirkstoffabgabe. Die Technologie von Filabé ermöglicht es, Wirkstoffe in ihrer reinsten Form abzugeben, sodass keine Rezepturen rund um Emulsionen mehr nötig sind. Kein Cremesystem um des Systems willen. Zusätzlich sorgt die Mikrofasertechnologie im selben Schritt für eine sanfte Exfoliation und Reinigung und bereitet die Haut so auf die Aufnahme der Wirkstoffe vor.


