Neue Zeiten generieren neue Namen: Seit Hygienemasken im ÖV so präsent sind wie Kaffeebecher und Smartphones, kursiert in den Medien die Wortschöpfung Maskne. Doch was hat das Tragen von Masken wirklich mit Akne zu tun? Und wie werden wir lästige Pickel wieder los? Chefarzt und Dermatologe Dr. Christoph Schänzle von den Pallas Kliniken verrät, was wirklich hilft.

Nur Weniges lief im Jahr 2020 wie erwartet. Wer hätte in Prä-Corona-Zeiten schon damit gerechnet, dass bald Ferien am Lago di Lugano der Höhepunkt des Sommers sein könnten? Während Fotos von Strandgängern in Badehose und Maske anfangs noch für Erstaunen sorgten, gewöhnen wir uns gerade an Masken in Berufsschulen, der Migros, an Elternabenden und im Blumenladen. Es scheint, als würden uns Masken noch lange begleiten. Zeit, sich mit möglichen Nebenwirkungen zu beschäftigen.

Herr Dr. Schänzle, was geschieht eigentlich mit der Haut, wenn wir eine Maske tragen?

Weil Hygienemasken die Luftzirkulation um Mund und Nase einschränken, wird die natürliche Feuchtigkeitsabgabe der Haut beeinträchtigt. Dies kann zu Irritationen und Trockenheit führen.

Trockenheit schadet der natürlichen Hautbarriere. Helfen reichhaltige Cremes dagegen?

Nein, nicht unbedingt! Durch eine Creme wird die Haut unter der Maske noch feuchter und trocknet noch stärker aus. Und dann wird noch mehr gecremt. So gräbt man sich immer weiter in die Malaise – man kann eben auch schlicht zu viel machen.

Was kann passieren, wenn die Haut zu intensiv gepflegt wird?

Wer ein Spannungsgefühl hat und als Konsequenz immer reichhaltigere Produkte verwendet, kommt in einen gefährlichen Mechanismus rein. Löst man damit eine Periorale Dermatitis aus, entstehen Rötungen, Pickelchen oder kleinen Bläschen um den Mund herum. Typisch ist auch eine Blässe rund um die Lippen. Sieht oft ganz ähnlich aus wie Akne, hat aber mit der klassischen Akne nichts zu tun.

Also ist Maskne gar keine richtige Akne?

Nein, und sie muss auch anders behandelt werden. Periorale Dermatitis – oder rosaceaartige Dermatitis, wie sie auch genannt wird – ist eine akneähnliche Erkrankung, die oft durch Überpflegung verursacht wird. Die Haut ist also bereits irritiert, eine Maske ist bloss der Tropfen aufs volle Fass.

Wer eine gesunde Haut hat, braucht sich also nicht zu fürchten?

In der Regel nicht. Wer eine sehr sensitive, empfindliche Haut hat, ist eher anfällig. Etwa Neurodermitiker, da können Masken ein Trigger für Hautirritationen oder atopische Ekzeme sein. Ist schon eine Akne vorhanden, kann sie sich durch die Maske weiter verschlechtern. Was auch passieren kann, ist eine Sensibilisierung auf einen der Maskenbestandteile, etwa dem Nasenbügel. Dann bildet sich eine Kontaktallergie. Diese Fälle sind allerdings selten.

Wie unterscheidet sich eine Kontaktallergie von Maskne?

Die Kontaktallergie macht sich durch Rötungen, Juckreiz und schuppige Haut bemerkbar. Ist sie ganz akut, entstehen nässende Bläschen. Damit gehen Sie am besten sofort zum Dermatologen. 

Was hilft gegen Maskne?

Ich empfehle vor allem, nicht zu viel zu machen. Viele Reinigungsprodukte irritieren oder zerstören den epidermalen Barriereschutzfilm der Haut. Natürlich sind auf der Haut Bakterien, aber die gehören zum natürlichen Mikrobiom der Haut und schützen sie. Darum verwendet man am besten etwas Mildes, pH-Neutrales. Es hilft auch, die Maske zwischendurch zu lüften. Dann zirkuliert die Luft wieder und die Haut kann Feuchtigkeit besser abgeben. Natürlich geht das nur, wenn man damit weder andere noch sich selbst in Gefahr bringt. Und wie gesagt: Alles, was irritieren könnte, würde ich bleiben lassen.

Also keine öl- oder alkoholhaltigen Mittel?

Nein. Alkohol wirkt entfettend. Die Haut ist aufgebaut wie eine Ziegelsteinwand, zwischen den Hautzellen ist quasi die Mörtelstruktur. Alkohol löst diese heraus. Auch bei ölhaltigen Produkten wäre ich sehr zurückhaltend. Sie sind meist komedogen und verursachen Mitesser, die unter anderem die Entstehung einer Akne begünstigen können.  

Wieviel Make-up verträgt die Haut unter einer Maske?

Leicht schminken kann man sich vielleicht schon, aber grundsätzlich verschliesst Make-up die Haut. Das ist natürlich ungünstig, weil unter der Maske sowieso schon wenig Luftzirkulation da ist. Je strapazierter die Haut bereits ist, desto weniger Make-up würde ich empfehlen.

Was passiert mit überpflegter Haut, wenn man alle Cremes, Lotionen und Reinigungsmittel auf einmal absetzt?

Sie reagiert wie ein Drogensüchtiger auf Entzug. Das liegt daran, dass vorher zu viel und zu intensiv gepflegt wurde – nichts zu machen, wäre besser. Früher wurde das die Null-Therapie genannt, sie wird oft gegen Periorale Dermatitis eingesetzt. Stoppt man die Überpflegung, gibt es anfangs eine Art Rebound-Effekt: In dieser Phase rebelliert die Haut und wird noch schlechter. Das ist für die Leute schwer auszuhalten, da muss man sie vorher darüber aufklären.  

Und wie geht es weiter, wenn die Haut wieder gesund ist?

Eine intakte Haut braucht wenig. Das Wichtigste ist, sie nicht zu sehr der Sonne auszusetzen, nicht zu rauchen und ausreichend Wasser zu trinken. Damit erreichen Sie schon viel. Und, quasi als Fazit: Vermeiden Sie Überpflegung. Es gilt das alte Prinzip des berühmten Arztes Paracelsius: Die Dosis macht das Gift.